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Sonntag, 13. Januar 2013

WARUM VERHINDERT DER EWIGE STREIT UM DAS RECHT UND DIE WAHRHEIT DEN FRIEDEN?

(Ein Text von Karin Desai) Ein Zitat von Gotthold Ephraim Lessing hat mich zu diesem Text inspiriert. Dort heißt es:
 "Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgend ein Mensch ist oder zu sein vermeint, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen. Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte, worin allein seine immer wachsende Vollkommenheit besteht." (Lessing)

Von diesem Zitat fühlte ich mich stark angesprochen, da ich mich seit Jahren damit beschäftige, zu verstehen, was in der Welt geschieht und vor allem – warum. Seither weiß ich aber auch, „dass ich nicht weiß“.
„Ich weiß, dass ich nichts weiß“, dieses Zitat wird Sokrates zugeschrieben, ist aber 1) ein Übersetzungsfehler. Das „s“ von „nichts“ muss offenbar weg, was nachfolgende Quelle erklärt, und 2) stammt dieses Zitat ursprünglich von Platon: „Das Zitat steht bei Platon für die Entwicklung der eigenen Erkenntnis von der Entlarvung des Scheinwissens über das bewusste Nichtwissen hin zur Weisheit als Wissen um das Gute.“ Quelle: http://platon-heute.de/vom-nichtwissen.html.


„Ich weiß, dass ich nicht weiß“, erklärt sich hierdurch: Für mich gibt es seither grundsätzlich so viele Wahrheiten wie Menschen auf der Erde, weil jeder Mensch eine andere Wahrnehmung hat. Wahrheit kommt von Wahrnehmung, wie das Wort schon sagt. Aber gleichzeitig gibt es nur eine facettenreiche Wirklichkeit, die sich aus der Summe der Menschen und dem Ursache-Wirkungsprinzip ergibt. Wirklichkeit kommt von Wirkung, wie auch hier das Wort schon sagt.
Politisch/gesellschaftlich kann man die objektive Wirklichkeit noch relativ gut erfassen, weil sich das, was geschieht, offen zeigt und meist auch allgemein thematisiert wird. Und es finden gemeinsame Beschlüsse statt, die wiederum zu einer kollektiven Wirklichkeit werden, auch wenn viele diese dann wieder nicht sehen wollen und ihre Wahrheiten als Wirklichkeit ausgeben, wie in der Regel alle Parteien das tun. Denn Parteien sind parteiisch. Sie vertreten einzelne Wahrheiten. Sie sind Pole. Und Gegenpole besitzen aber nur Halbwahrheiten.
Ansonsten wird es schwierig bis unmöglich, diese eine facettenreiche Wirklichkeit zu erfassen, weil man nicht überall gleichzeitig sein kann, auf Informationen von anderen vertrauen muss und auch nicht alles mitbekommt, was irgendwo geschieht. Und Menschen, die - wie früher - keine Medien wie das Internet kannten, konnten sich Wissen nur aus Büchern oder durch Reisen zulegen. Und auch da ist beides gefärbt von der Ansicht und durch die Erlebnisse des Schreibers bzw. Reisenden.

Kürzlich wollte mir jemand weismachen, es gäbe keine Wahrheit. Alles sei illusorisch. Daraufhin erklärte ich ihm meine Erkenntnis, dass es so viele Wahrheiten gibt wie Menschen aber nur eine Wirklichkeit, auch wenn diese so umfassend und facettenreich ist, dass ein einzelner Mensch sie gar nicht erfassen kann. Wenn das aber so wäre, wie er sagt, dass alle Wahrheit illusorisch ist, dann ist auch die Vergangenheit illusorisch, z. B. auch der Zweite Weltkrieg nie passiert, den Holocaust hat es also nicht gegeben?" Darauf ist er dann gar nicht eingegangen.

Auch die Wirklichkeit ist sehr facettenreich, da jeder Mensch eine eigene Wirklichkeit durch sein Denken und Handeln für sich kreiert. Aber auch jedes Volk hat seine eigene Wirklichkeit, über Generationen hinweg, die wiederum unterteilt ist in die vielen verschiedenen Wirklichkeiten eines jeden Einzelnen. Jeder ist der Schöpfer dessen, was er erlebt, weil das, was er erlebt, meist durch seine eigenen Handlungen, die aus seinen Gedanken und diese wiederum aus seinen Gefühlen resultieren, hervorgerufen wird. Aber daher ist Wirklichkeit auch veränderbar, von uns steuerbar, weil sie ja nur die Wirkung aus der Ursache ist. Die Wirkung aus unserem Denken und Handeln.
Man kann daher eine neue Wirklichkeit kreieren, wenn man offen ist und die alte Wirklichkeit auch "wirklich wahrnimmt", man draus lernt, wenn man also sieht, was wirklich ist und nicht nur das, was man sehen will. Dazu ist es allerdings notwendig, diese Wahrheit, die man hat, also die eigene Wahrnehmung, von allen Seiten zu beleuchten und durch verschiedene Perspektiven drauf zu schauen und zu überprüfen, ob es sich dabei um eine Wahrheit oder um die Wirklichkeit handelt. Denn unsere Wahrheiten sind immer beeinflusst durch unsere Emotionen aus dem Unterbewussten. Nur die Vogelperspektive, die Objektivität, die durch das Spiegeln, durch das Beleuchten der Wahrheit von allen Seiten zustande kommt, bringt uns zur Wirklichkeit, zum Hier und Jetzt, zur objektiven Betrachtungsweise.

Allerdings gibt es auch noch eine übergeordnete Wirklichkeit, die jeder durch entsprechende bewusste Erfahrung wahrnehmen kann. Das sind die Naturgesetze wie das Spiegel-/Resonanzprinzip, das Ursache-Wirkungsprinzip, die Intuition, die uns die Antworten auf Fragen aus einem gewissermaßen universellen Wissenspool vermitteln, die wir dann mit dem Verstand weiter verfolgen können (unser Verstand als Werkzeug), etc. Diese Dinge, die nun auch Quantenphysiker als richtig erweisen. Ja, diese Wirklichkeit/Wahrheit existiert für alle gleich. Das hat nichts mit Religion zu tun. Immer mehr Menschen nehmen diese Naturgesetze wahr. Und immer mehr Menschen verstehen dadurch immer mehr  Zusammenhänge im Leben und warum welche Dinge geschehen.

Ich stellte mir heute Morgen vor, wie es wäre, wenn wir theoretisch ALLE Wahrheiten aller Menschen zusammentragen würden. Das, was sich dann im Nenner daraus ergibt, kommt der gesamten Wirklichkeit am nächsten. Es heißt ja nicht umsonst, dass Gegenpole immer nur Halbwahrheiten besitzen.

Weiter gedacht bedeutet das aber auch z. B. auf uns Deutsche gemünzt:
Somit kann man dann doch auch davon ausgehen, dass z. B. die "Wahrheit", dass wir Deutschen alle Monster sind bzw. waren, lediglich eine kollektive Wahrheit darstellt. Dass sie eine uns aufgezwungene einseitige Wahrnehmung ist, zu der uns seit dem Krieg die Siegermächte umerzogen haben, weil diese Wahrheit von ihnen in den Schulbüchern und in der Historie so festgeschrieben wurde. Eine Wahrheit, die wir Deutschen weitgehend kollektiv angenommen haben. Denn: Haben wir dabei jemals andere, sogar gegensätzliche Sichtweisen u. a. auch unserer Vorfahren dabei betrachtet bzw. zugelassen, um zur Wirklichkeit zu kommen? Offensichtlich nein, denn die objektive Aufarbeitung unserer Vergangenheit wurde uns untersagt und wird es heute noch, mehr denn je. Eine Betrachtung anderer Wahrnehmungen und sogar die Sichtung archivierter Zeitdokumente wird immer noch komplett ausgeschlossen, untersagt. Es wird mit Strafen gedroht, wenn man diese eine Wahrheit der Alliierten in Frage stellt bzw. auch mal andere Sichtweisen betrachten will.
Meine logische Schlussfolgerung aus dem bisherigen Text lautet deshalb: Wir können – ohne nähere Einzelheiten zu kennen – daher davon mit Gewissheit ausgehen, dass diese uns gelehrte Wahrheit in Bezug auf unsere Historie auf alle Fälle eines nicht ist: die komplette WIRKLICHKEIT, sondern nur eine Halbwahrheit.
Wer aber Angst vor anderen Sichtweisen hat, der hat Angst vor der Wirklichkeit, also der Tatsache, dass seine Wahrheit sich lediglich als seine Wahrnehmung entpuppt und nicht der Wirklichkeit entspricht.

Interessanter Weise hören sich Streitschlichter immer BEIDE Seiten an, weil sie genau wissen, dass es immer mindestens ZWEI Sichtweisen gibt. Jede Seite hat ihren eigenen Beweggrund für eine Handlungsweise gehabt. Und um Streit zu schlichten, ist es notwendig, beide Seiten zu verstehen. Das lehren wir unseren Kindern schon in den Schulen. Aber wir Erwachsenen tun genau das nicht in politischen und gesellschaftlichen Fragen, wenn sich mindestens zwei Seiten (Parteien) streiten. Auf die Idee kommen wir eigenartiger Weise gar nicht erst. Dabei ist das doch im Grunde genau dasselbe Phänomen.

Mein Fazit:
Wenn wir im Streit sind, können wir nur in Frieden kommen, wenn wir bereit sind, die andere Seite, die unseren Gegenpart darstellt, und deren Halbwahrheit anzuerkennen und zu erkennen, dass auch WIR jeweils nur in der Halbwahrheit sind. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit und das Erkennen und Zugeben von Schwächen, zum Beispiel der Schwäche, dass man sich zum Teil geirrt hat, lässt uns wirklich vollkommen und stark werden, lässt uns inneren Frieden finden und äußeren leben. (K.D)

Quellen
Text: Karin Desai
Bild: Gerd Altmann/Shapes:dezignus.com  / pixelio.de

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